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totalste wörter
muss man in kunst, architektur oder design alles erklären? ja, man muss. denn die fünf begriffe sind eine frechheit für jeden, der denkt, dass es sich bei diesen fachgebieten um eine warme, weiche, gefühlsselige angelegenheit handelt. die plakatreihe behauptet das gegenteil: drei voraussetzungen sind hier stellvertretend genannt, wenn gutes in architektur oder design entstehen soll: perfektion, ordnung, disziplin. weil es nicht erklärt wird, ist es eine provokation. aber eine positive provokation im sinne von: bitte selber denken!
ob man als gestalter seine arbeit erklären kann oder soll? wenn le corbusier, paul rand, jonathan meese und gerhard richter dies versuchen, findet man die abgebildeten worte in ihren texten. ein deutlicher hinweis darauf, dass der gestaltungsprozess in design oder architektur nichts mit diesem romantisch verklärten bild von dem kuss der muse gemein hat. was aber auch nicht bedeutet, dass man sich nicht von der einen oder anderen küssen lassen darf.
zitate haben einen leichten beigeschmack: man umgibt sich mit der aura des wissenschaftlichen, leiht sich ein wenig vom ruhm des autors und wenn einem selbst nichts einfällt, füllt es die leere. deshalb wurde auf den plakaten auf zitate und erklärungen verzichtet. die begriffe als solche richten sich an studenten und dozenten und sollen diese herausfordern, selbst zu denken: disput statt fußnote. wenn daraus eine hochschulweite diskussion entsteht, die vielleicht durch vorträge vertieft wird, haben die plakate ihr ziel erreicht: anregung statt aufregung.
zur entstehungsgeschichte der plakatreihe:
während der arbeit für die plakatreihe zu dem rundgang las ich das buch »totalste grafik« von jonathan meese. dabei sprach mich ein absatz besonders an: das »ich« ist kein dienst an der kunst. das »ich« hat in der grafik nichts verloren. ein anderer ganz wichtiger punkt in der grafik ist disziplin. ohne disziplin läuft gar nichts. auch in der kunst. grafik ist kein chaos! das ist ordnung. das ist genau das gegenteil von dem, was momentan immer behauptet wird. kunst ist die totale ordnung. totale disziplin. passgenauigkeit. solche worte: ausrichten. stillgestanden. strammstehen. das hat was mit grafik zu tun. das bildet grafik, nicht das chaotische, das selbstverwirklichungsfanatische, dass jeder anders aussehen will.«
aus dem buch »text« von gerhard richter hatte ich mir vor längerer zeit ein anderes zitat notiert, das hierzu gut passt, obwohl die beiden künstler so unterschiedlich sind: »für mich ist die perfektion so wichtig wie das bild selbst«. da die plakatreihe für die beiden fachbereiche architektur und design passen sollte, suchte ich in der fachliteratur nach entsprechenden belegen für die drei begriffe:
»die nachfolgend dargestellten theoretischen betrachtungen gründen sich auf langjährige praktische erfahrung auf dem bauplatze. theorie verlangt knappe formulierung. es handelt sich hier keineswegs um ästhetische phantasien oder trachten nach modischen effekten, sondern um architektonische tatsachen, welche ein absolut neues bauen bedeuten, vom wohnhaus bis zum palasthaus...«. (le corbusier)
»...weitere gesetze lassen sich anfügen: das gesetz der ordnung, der einheit, der vielfalt, des kontrasts, der anmut, der symmetrie, der asymmetire, des rhythmus, des reims, der regelmäßigkeit... und so weiter ohne ende. sie alle gehören zu den werkzeugen der form – durch gestaltung, durch zufall, durch improvisation.« (paul rand)
die gestaltung ergab sich dann fast wie von selbst – ich richtete mich nach dem ratschlag von sigmar polke: »höhere wesen befahlen: rechte obere ecke schwarz malen!«
andreas uebele, februar 2012
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